Ostern 4.0 – das Ostern der nahen Zukunft

Aus der Reihe: Familienfeste im Internet of Everything, geschildert von: Anny Wonn*

Von Nicolas Schrode

Schnell noch die Ostereier in der Cloud ablegen, bevor die vorgegrillte Ostergans per Drohne von Amathron angeflogen kommt. Hurra, die Drohne hat auch gleich noch einen Sixpack Bier dabei! Auf den intelligenten Kühlschrank ist halt echt Verlass, was ‘n Checker! Als Weintrinker hätte ich es ja glatt übersehen in diesem Osterstress! Aber in der komplettvernetzen Welt kann man seine Denkkapazitäten ja auf Wichtigeres richten, z.B. aufs Versenden von Clips mit Kindchenschema-Hasen, die nasewackelnd und zwinker-klimpernd „Froooohe Ooooostern!“ trällern oder natürlich der ganzen 3-D-Ostergeschenke zum Selberausdrucken mit dem 3D-Drucker (außer man hat schon bzw. noch so nen 4-D-Drucker, den viele ja wegen der fiesen Gerüche, die manche achso lustig finden zu versenden, längst wieder abgeschafft haben bei sich zuhause).

Auch sonst hält einen wenig ab vom privaten Vernetzen, Vernetzungen vernetzen und Vernetzungsvernetzungen pflegen. Denn selbst, dass dieses Ostern die Schwägerin naht, die olle Vegan-Tante, wurde natürlich über deren Smartphone längst an die Drohnenbepackungs-Robbis bei Amathron und deren menschliche Helferchen übermittelt – so finden sich auch zwei angebräunte Saitan-Wachteln an Holunder-Minz Schäumchen mit im anschwebenden Osterkorb (sie braucht immer irgendeinen Schnickschnack, dieser Algorithmus ist bei Amathron längst hinterlegt, ebenso wie meine Kreditkartennummer und damit auch meine „Credibility“ – also dass ich den überteuerten Schmarrn jedes Jahr bereitwillig bezahle). Außerdem beigelegt, eine Osterkerze und ein Fläschchen Klosterfrau Melissengeist – klar, auch Erfahrungswerte zählen bei der lernenden Technologie der Industrie 4.0: Der Activity Tracker von Oma hat auch diese Ostern wieder erhöhte Puls- und Blutdruck-Werte durchgegeben: die fünf Ostern zuvor (also eigentlich seit wir auch Oma endlich komplett vernetzt haben) waren diese beiden Produkte immer ein supersuccess! Das ist bei Amathron längst hinterlegt. Eins A! Thank U, Gooogle!

Später werden wir Oma vor das Hologramm des Papstes setzen, damit sie die Ostermesse mitverfolgen kann (und die Schwägerin ihre Zen-Abendmeditation unterkriegt). Dann haben wir endlich Zeit, in Ruhe zu tweeeten, was wir an Ostern alles auf Faceboook erlebt haben. Danach gibt es ein paar Energizer-Injektionen, denn MovieWalk gehört bei uns einfach zu Ostern dazu. Da gehen wir dann in ein paar sehr alte Komödienkisten rein, wie z.B. „Zurück in die Zukunft“. In diesem Film bewege ich mich eigentlich sehr gerne, weil seine Charaktere sympathisch verrückt und fröhlich und das Bild von Zukunft von damals echt aberwitzig ist – auch wenn ich mal gehört habe, manche Dinge, die es heute gibt, sind von diesem Film inspiriert – aber natürlich lange schon deutlich optimiert – worden. Nur diesen „Delorean“ mit dem man Zeitreisen machen kann gibt es immer noch nicht. Das ist schade, denn da würde ich mal zurückreisen und sehen wollen wie Ostern in den berüchtigten 90er Jahren war – ich kann es mir einfach beim besten Willen nicht mehr vorstellen – gut, ich war noch recht jung – aber: Wie konnte das alles funktionieren ohne moderne Vernetzung???

Vielleicht würde ich auch noch weiter zurückreisen. Mich würde interessieren, warum es Ostern eigentlich gibt. Irgendwie hab ich keine Zeit, das bei Wikipedia nachzulesen und bei Oma versteh ich ihre abgespacte Speech irgendwie nicht, das klingt alles so esoterisch, wenn die anfängt. Oder auch, wie war das Wort, sehr molarisch oder so…Naja, vielleicht entwickelt Gooogle ja diesen „Delorean“ irgendwann, könnte aber exterm lange dauern – vielleicht sogar mehrere Jahre! Aber egal: Bis dahin ist genug anderes wichtig, im Netz. Frohe Ostäääääärn! Eure Anny Wonn

(*bei der Erzählerin Anny Wonn handelt es sich um einen fiktiven Charakter)

One Response to Ostern 4.0 – das Ostern der nahen Zukunft

  1. beatrix schrode says:

    Mir macht das ganze angst.besinnen wir uns doch wieder mehr auf die werte,die das leben ausmachen-auch auf die gefahr hin,dass oma moralisch daher kommt.was habt ihr von euren eltern gelernt?wenn das angekommen ist,dann habe ich allen grund zur freude!was ist wesentlich?jeder muss seine antwort finden-möge es in liebe und respekt geschehen.
    Drück euch mamsi

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